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Ob
in der gedämpften Geräuschkulisse beim
Edel-Italiener, die nur noch selten vor
unzähmbaren Mobiltelefonen schützt, oder im
lauteren Szene-Treff, dessen auch so hippe
CD nun schon zum zweiten Mal durchläuft: uns
umgibt ein Klangraum, der schon längst zur
bloßen Reizquelle verkommen ist. Aber es
gibt sie noch, Musik von Hand gemacht und
greifbar als Sinnzusammenhang. Die Kirche
St. Peter in Düsseldorf erhält in diesen
Tagen alles, um zu einer Oase der Klänge zu
werden. Orgelbaumeister Karl Göckel
errichtet mir seinem Team eine symphonische
Orgel, die es in sich hat. 57 Register, drei
Manuale (Tastenreihen) und 3860 Pfeifen
verwandeln den Raum in ein Meer von
Klangfarben, vom kleinsten perlenden
Wassertropfen bis zur urgewaltigen Macht der
Sintflut.
Damit solche
Klangmassen den Hörer nicht einfach nur
erdrücken sondern stets klar und brillant an
sein Ohr dringen, muss jede Pfeife einzeln
auf den Raum hin vom Intonateur abgestimmt
werden. „Guter Klang ist harte Arbeit“
unterstreicht Karl Göckel, Intonateur und
Inhaber der gleichnamigen Orgelbaufirma,
sein Ziel und stellt eine der kleinsten
Pfeifen von 7 mm Länge zurück an ihren
Platz. Ihre großen Schwestern haben eine
Länge von 10 Metern und können bei einem
Gewicht von bis zu 250 kg nur mit vereinten
Kräften und sehr viel Präzision bewegt
werden.
Dem 6-köpfigen
Team von Karl Göckel, zudem auch eine junge
Orgelbauerin gehört, merkt man die Freude
und wache Intensität an, mit der hier
gearbeitet wird. Harter Wettbewerb der
Orgelbaufirmen, knappe Kassen und sinkende
Zuschüsse kirchlicher Auftraggeber, zeitigen
hochwertiger Arbeit. Gut, dass sich
Instrumente aus der bei Heidelberg gelegenen
Werkstatt, zunehmender Anerkennung von
Fachleuten und Kennern erfreuen. So sind
ihre Arbeitsplätze sicher, bei gut 2 Jahren
Zeit zwischen Auftragsvergabe und
Aufstellung der neuen Orgel.
Das Puzzle aus
ca. 60.000 Teilen mit einem Gesamtgewicht
von 30 Tonnen wird Stück für Stück von Hand
zusammengesetzt. Am langsam entstehenden
späteren Paradies für Organisten wird
zunächst lange gearbeitet: 75% der
anfallenden Kosten sind reine Lohnkosten.
Dass sich die Mühe lohnt, davon sind die
Orgelbauer überzeugt. Schließlich spielen
Ihre Instrumente für viele Generationen und
manchem Kirchenbesucher gräbt sich vor allem
das Erlebnis der Orgel und ihres Klangraums
tief ins Gedächtnis. Ein Fest für die Sinne
eben.
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Impressum |
Vor
allem der Klangreichtum hat die Menschen
seit Jahrhunderten begeistert. Ursprünglich
ein weltliches Instrument, fand die Orgel
erst spät – im 10. Jahrhundert – gegen den
erbitterten Widerstand einiger Theologen
ihren Platz in der Kirche. Nach 1000 Jahren
Entwicklung, einem Grundbestand an
technischen Voraussetzungen seit rund 250
Jahren, muss es nicht aus entrückter
Stellung von staubigen Emporen jammern und
kreischen. Vielmehr gilt die Orgel heute als
ausgesprochenes Zeugnis unserer Kultur.
Diesem Anspruch stellt sich Karl Göckel und
entwickelte seine Meisterwerkstatt zum
kleinen, aber feinen Anbieter:
In der
Spezialisierung auf den symphonischen
Orgelbau entstehen mit ihrem Klang
raumfüllenden Instrumente, die äußerst
dynamisch sind: Überblasende Flöten klingen
einer Querflöte täuschend ähnlich,
Streichregister mischen sich mit warmen,
singenden Prinzipalen, ausgeglichene
Soloregister stehen neben kraftvollen
Zungenregistern, die durch ihre Brillanz und
Fülle an die Blechbläser eines großen
Orchesters erinnern.
Diese
zupackenden Register stellt Karl Göckel in
seiner Werkstatt selbst her, für ihn
Voraussetzungen für höchste Qualität:
„Irgendwann stößt man an einen Punkt, wo die
klangliche Gestaltung zunehmend dem
künstlerischen Ausdruck Platz einräumen
muss. Ich hatte einfach kein Lust mehr
Kompromisse bei der Qualität einzugehen“, so
Göckel, dessen Erkenntnisse und Forschungen
an berühmten Orgeln von Cavaille-Coll
prägend für seine eigenen Instrumente
wurden. „Daher fiel die Entscheidung für
eine Göckel-Orgel relativ schnell“, erinnert
sich Stefan Schmidt, Kirchenmusiker an St.
Peter und Dozent an der
Robert-Schumann-Hochschule,“ es gab keine
Alternative für das gewünschte Klangbild auf
dem deutschsprachigen Markt.“
Nach rund 11000
Arbeitsstunden, dem Aufbau der Orgel in der
Kirche seit Anfang des Jahres, ist es am
Sonntag, den 01. April so weit. Um 11.00 Uhr
lädt die Kirchengemeinde zur festlichen
Einweihung. Das erste Orgelkonzert spielt
Stefan Schmidt um 15.30 Uhr und man darf
gespannt sein auf das neue Instrument, das
mit seiner unvergleichlichen Dynamik und
Fülle, der Wärme und dem Charme des
Ausdrucks noch immer eines ist: die Königin
der Instrumente.
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